Krieg im Kindergarten
Mai 12, 2011
Ist es besorgniserregend wenn die 6 bis 16 Jährigen heute mit Liedern, wie dem „Arschficksong“ oder dem „Vendetta“ von Sido bzw. Bushido groß werden, anstatt mit harmlosen Geträller schnulziger Boybands oder überdrehten Hupfdohlen wie Britney Spears oder Christina Aguilera, mit denen wir unser Pubertät verbrachten? Von stilvollen musikalischen Begleitern, womöglich noch auf deutsch ganz zu schweigen. Oder sind diese Songs einfach nicht wirklich ernst zu nehmen, sind sie mit Absicht so überzogen, billig und agressiv, dass sie nur als Karikatur ihrer eigenen Kultur gesehen sollten, wie es bei KIZ der Fall ist? Nein, sie sind durchaus ernst gemeint. Deutsche Gangstarapper, oder jene die sich dafür halten, meinen es ernst wenn sie ihr hartes Leben auf der Straße beklagen, wenn sie ihre „Opfer“ und deren Mütter beschimpfen, wenn sie versuchen das amerikanische Original zu kopieren und noch weiter auf die Spitze zu treiben. Die Verantwortung für Konsequenzen auf die Geisteshaltung ihrer Fans, die die Texte und Videos für bare Münze nehmen und glauben, dass es eine Welt gibt, in der man sich einfach nimmt, was man haben will, in der Gewalt mehr zählt als Liebe und in der kein Platz für Schwache ist, lehnen Sido, Bushido, Fler und Konsorten strikt ab. „Was kann ich dafür, wenn Eltern nicht verhindern, dass Kinder meine Musik hören?“ tönte Sido noch vor einiger Zeit.
König Boris von Fettes Brot hat es in seinem Lied „Automatikpistole“, das auf dem letzten Album „Strom und Drang“ erschien, jedoch unverdienter Weise wenig Aufmerksamkeit bekam, auf den Punkt gebracht. „Was seid ihr für Menschen? Was für Götter? Was für Statussymbole?Dicke Autos, ‘n paar Nutten, Automatikpistole.Um euch herum schart ihr ´n Haufen blinder Soldaten Und mit denen bringt ihr den Krieg in jeden Kindergarten“