Insomnia

April 11, 2011

Das Licht geht aus, die Decke senkt sich wie eine schützende Hand über die müden Glieder, die Matratze schmiegt sich wohlig an den Rücken und das Kissen riecht süßlich nach Schlaf. Auf der Straße haben die lärmenden Bars geschlossen, der Regeln trommelt leise gegen das Fenster und auch die Mitbewohner haben den Fernseher ausgeschaltet, die Unterhaltung eingestellt und sind in ihre Zimmer verschwunden. Der Tag war anstrengend, bis halb sieben wurdest du bei der Arbeit aufgehalten, immer wieder kam eine Kleinigkeit hinzu, die noch schnell erledigt werden musste. Als du dann endlich zu Hause warst, hat deine Freundin angerufen und das Gespräch klingelt dir jetzt noch in den Ohren. Nicht weil ihr euch gestritten hättet, nein, weil du sie vermisst und dich das Telefonieren glücklich und melancholisch zugleich werden lässt. Anschließend warst du noch eine Runde laufen, hast deine Spezialnudelsauce gekocht und mit deinem bestem Kumpel seine neueste Frauengeschichte am Telefon diskutiert. Jetzt willst du nur noch eins: endlich diese Welt ausknipsen und ins Reich der Träume übersiedeln, schlafen, tief wie ein Stein, bis der vermaledeite Wecker dich mit seinem hämischen Gepiepse zurückholt in das Bergwerk des Arbeitsalltags.

Aber etwas hält dich auf. Du kannst die Schwelle nicht übertreten, immer hält dich etwas zurück. Ein Gedanke der noch unbedingt gedacht werden muss, eine Erinnerung, die ausgerechnet jetzt aus der Vergessenheit in dein Bewusstsein springt, und die folgende Kette von Assoziationen und längst vergangenen Gefühlen. Plötzlich ein Schreien und Kreischen von der Straße, eine Frau keift einen Mann in einer fremden Sprache an, dieser antwortet mit einem fürchterlichen Gebrüll, kein Vokal scheint diese Sprache abzuschleifen, sie klingt nur hart und feindlich. „Kommt doch bitte klar“denkt sich dein müder Geist, trotzdem schlurfst du auf den Balkon um nach dem Rechten zu sehen. In der Zwischenzeit sind sie verschwunden, du legst dich resigniert ins Bett und starrst die Decke an, die aber leider auch keine Gutenachtgeschichte erzählt, sondern nur gleichmütig zurückstarrt und dich deiner Schlaflosigkeit überlasst. Insomnia hat begonnen.

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